| mehrwert
durch grundeinkommen
Der
Steuerfreibetrag
Solange die Teilung der gesellschaftlichen Wertschöpfung in Privatanteil
und Staatsanteil vor allem durch Unternehmens- und Einkommenssteuern
geregelt wird, muss der Staat die Erwerbsarbeit als allein erstrebenswert
hochhalten. Denn von ihr wird das Geld an den Staat abgezweigt. Die
Erwerbsarbeit jedoch nimmt ab. Immer weniger Leute mit Job müssen
immer mehr ohne Job mitversorgen. An sich ist das kein Problem, denn
die Produktivität steigt. Doch die Steuer steht an der falschen
Stelle. Was nicht abnimmt, ist der Konsum. Steuern können richtiger
Weise nur von einem geschaffenen Mehrwert abgegeben werden. Erst beim
Kauf durch den Endverbraucher realisiert sich der geschaffene Mehrwert.
Der Staatsanteil, das Geld für die demokratisch beauftragten gemeinschaftlichen
Aufgaben, müsste sich in der Mehrwertsteuer abbilden.
Einkommen zu besteuern suggeriert, dass die Leute nicht arbeiten, nicht
Mehrwert für andere erzeugen, sondern dass das Einkommen der Mehrwert
wäre und sie also arbeiten, um sich selbst zu versorgen. Das stimmt
aber nicht. Was sie leisten ist für andere, für die, die es
brauchen und verbrauchen. Das Einkommen stellt sie frei für diese
Leistung. So ist es in der arbeitsteiligen Wirtschaft, in der jeder
den anderen versorgt, keiner sich selbst. Einen Großteil dieser
Versorgung schaffen Maschinen. Wenn menschliche Arbeit besteuert wird,
die der Maschinen aber nicht, subventioniert das die Maschinen. Dabei
müssten die Maschinen die Menschen auch finanziell freistellen,
deren Arbeit sie übernehmen. Wenn der Konsum besteuert wird, fließt
die Mehrwertschöpfung der Maschinen genauso in die Steuer ein,
wie die der Menschen. Und die Maschinen nehmen einen immer größeren
Part in der Wertschöpfung ein. Der Konsumsteuer/Mehrwertsteuer
fehlt nur eins: der Steuerfreibetrag. Von dem, was jeder unbedingt zum
Leben braucht, kann er oder sie nichts an den Staat abgeben. Wenn die
Mehrwertsteuer die einzige Steuer ist, ist der Steuerfreibetrag das
Grundeinkommen. Es ist der ausgezahlte Steuerfreibetrag. Aus dieser
Mehrwertsteuer ist das Grundeinkommen logisch, und logischer Weise ist
es bedingungslos. Jeder braucht für sein Leben einen gewissen Grundbetrag.
An der gesellschaftlichen Wertschöpfung sind wir alle beteiligt.
Das Grundeinkommen ist die Mehrwertvergütung an jeden Einzelnen.
Die Dynamisierung der Wirtschaft
Wenn die Mehrwertsteuer den gesamten Staatsanteil
abbildet, ist sie entsprechend hoch. Dann müssen die Nettopreise
entsprechend sinken, damit die Endpreise gleich bleiben. Das können
sie, weil die Unternehmen keine Steuern mehr bezahlen – die sie
vorher in die Nettopreise einrechneten – und weil das Grundeinkommen
in die Löhne und Gehälter eingerechnet
wird, auf denen keine Einkommensteuern und keine obligatorischen Sozialabgaben
mehr liegen.
Der
Prozess der Herstellung von Produkten und Diensten verbilligt sich um
die aus diesem Prozess herausgenommenen Steuern und die in ihn hineingegebenen
Grundeinkommen. Die Grundeinkommen erübrigen zudem alle Sozialleistungen
bis zu der Höhe des Grundeinkommens.
Und was soll das? Für die meisten bringt das nichts mehr in der
Tasche. Wozu das ganze?
Das enorme Leistungspotential der Menschen wird nicht mehr auf die Erwerbsarbeit
reduziert. Auch Muße ist Leistung. Arbeit wird sichtbar als der
schöpferische Bereich des Menschen. Niemandem wird die Verantwortung
für sein Leben abgenommen. Keiner könnte mehr sagen:
„Wenn ich nicht müsste,
würde ich.“
Ich kann mich auf das beziehen, wofür ich arbeiten will. Die Aufgaben
in der Welt sind weit mehr und oft viel wichtigere, als was der Arbeitsmarkt
zu bieten hat – auf dem ich mit einem Grundeinkommen auch Nein
sagen kann. Dafür ist ein Ja ein freies Ja. Das führt zu einer
Dynamisierung der Wirtschaft, auch kulturell.
Basel
und Frankfurt, 20. November 2006
Enno Schmidt und Daniel Häni
Initiative
Grundeinkommen
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